Eigentlich... , tja, eigentlich...
Eigentlich sollte es eine kleine Inspektion werden, bei der ich meiner neuen Garagenbewohnerin mal gepflegt unters Blechlein
schauen wollte. Dass das Öl getauscht werden muss, stand für mich genau so fest, wie der Tausch von Luftfilter und
Zündkerzen. Die Bremsscheiben & Beläge vorne sahen noch gut aus, sodass ich hier keine Arbeit vermutete. Hinten ist die
Bremsscheibe schon 1mm unter Verschleißgrenze gewesen.... da klingelten wieder die Worte des Verkäufers in meinen Ohren
“Chopperfahrer warten ihre Maschinen besonders gründlich. Da is ja immer alles TOP!”
Nachdem ich das Schauglas des Bremszylinders gereinigt hatte, musste ich feststellen, dass das Glas leider schon vorher
sauber war. Soll heißen, dass die Bremsflüssigkeit eine extreme dunkle, bräunliche Färbung angenommen hatte, ähnlich wie
Affenscheiße. So etwas habe ich vorher noch nie gesehen. Die Dichtung des Bremszylinders war mit verharzter (!?)
Bremsflüssigkeit umrandet. Benetzte man seine Finger damit, konnte man bei langsamen Bewegungen sogar feine Fäden damit
ziehen. Die Folge war ein “Staunbier” und ein anschließender Wechsel der Bremsflüssigkeit.
Nach dem Entfernen des Deckels, füllte ich erstmal neue Flüssigkeit auf die Alte. Zu meinem Erstaunen zogen es alte & neue
Bremsflüssigkeit vor, sich nicht zu vereinen. So bildeten sich zwei Schichten.
Mit meiner kleinen, treuen Vakuumpumpe, nein, nicht die, die andere!, versuchte ich nun also den ollen Schnodder abzusaugen.
Das ging bei weitem nicht so leicht, wie bei frischer Bremsflüssigkeit. Doch nach einigen Minuten war es geschafft & alles war
wieder so, wie es sein sollte. Natürlich sah der Kreislauf für den hinteren Bremssattel genau so aus & die Prozedur wurde
wiederholt.
Die Bremsscheibe hinten war, wie oben schon geschrieben, 1mm unter der Verschleißgrenze. Das geht nun wirklich nicht. Und da
auch kein normaler Mensch so viel mit hinten bremst, kontrollierte ich nach dem Tausch der Bremsflüssigkeit die Freigängigkeit
der Kolben. Und was natürlich nur ein “Nachschauen” sein sollte, endete damit, dass ich die Sättel, ja, auch vorne, in einem
Benzinbad erstmal gründlich reinigte.
Der Lack war für die km -Leistung und das Baujahr ok, obwohl man natürlich auch ein bisschen besser aufpassen hätte können.
Hätte, wäre, wenn zählt aber nicht.
So blieb mir als vorerst letzte Maßnahme noch das Hinterrad auszubauen, um die Bremsscheibe zu tauschen. Doch der Teufel
ist ein Eichhörnchen & weil ich zum einen wohl das Gewicht der Kardanglocke unterschätzt habe & es zusätzlich durch meine
Gasheizung in der Garage eine Kondenswasserschicht auf dem Alu gab ( ich behaupte ja immer noch, dass diese Schmierschicht
ausschlaggebend für meine Misere ist), rutschte mir dieses störrige Mistteil aus den Griffeln, sauste gen Richtung, überschlug
sich noch nach dem AUfprall mit selbigem & fiel wie in Zeitlupe gefühlte 0,05mm an meiner Symphony vorbei.
.......Nachdem der Kackstift wieder in den ollen Eingeweiden verschwunden war, stellte ich das nun befreite Rad in der Schwinge
ab & öffnete ich mir ein kleines Schreckbier. Nach dem zweiten Schreckbier schaute ich nach meinem Schatzi.... tatsächlich
war nix passiert. Nun ja, im Gegensatz zumindest zu dem Kardantrieb meiner neuen. Da war nämlich aus der Glocke ein Stück
rausgeplatzt. “SCHEIßE!”
Nachdem ich die Überreste der Bruchstelle eingesammelt hatte, packte ich die kleinen Widersacher in eine Tüte & übergab das
ganze einem Experten. Ob dieser Tatsache alles wieder zusammenschweißen konnte, weiß ich jetzt noch nicht. Hoffentlich
passiert da noch was vor Weihnachten.
Aber als unendlicher Optimist sehe ich mal wieder das Gute in diesem verdrieslich Missgeschick. Ich kann die ganze
Kardanglocke anschließend schwarz lackieren lassen & brauche es in meiner Statistik nicht als Umbau, sondern als Reparatur
aufführen. So bleibe ich wenigstens meinen Aussagen treu ;-)
Juhu! Die erste gute Nachricht vor Weihnachten war, dass es möglich ist die Kardanglocke zu schweißen. Somit habe ich eine
Sorge weniger. Eine Bremsscheibe, die den Fahrzeugwert nicht überschreitet habe ich ebenfalls gefunden (Yamaha will für die
hintere Bremsscheibe tatsächlich 190€ haben!).
Dazu habe ich ebenfalls eine dezente Tieferlegung für schmales geld erstanden. Mit dieser Investition spare ich mir zum einen
teures Abpolstern des Sitzes & zum anderen das Rumtippeln auf den Fußballen.
Spiegel & Griffe wurden schon begutachtet & für “gut” befunden. Müssen aber noch bestellt werden. Wenn diese Teile dann
vollständig sind, fehlen nur noch neue Pneus, doch die kauft man nicht im Winter!
So, nun mal ne kleine Zwischenbilanz. Die Riser & der Oldstyle-Lenker von LSL sind angekommen. Das sind die wichtigsten
Komponenten um das Frontend ein wenig in Schuss zu bringen. So habe ich an zwei bierseeligen Abenden den originalen
Kabelbaum verlängert & die Kabel durch den Lenker gezogen. Das Ganze sieht montiert schon mal richtig gut aus & passt zum
Style der Karre. Zudem habe ich die ehemaligen Griffe von der Shadow genommen. Das waren auch schon Zubehörgriffe, die ich
verchromen hab lassen. Neue, kleine Spiegel sind bestellt.
Der liebe Vorbesitzer war übrigens ein Zauberer. Dieser hat es geschafft die Kabel der vorderen Blinker nur mit dem
Originalkabel zu verdrillen. Ohne zu löten hat das ganze also nur durch Magie gehalten. entdeckt habe ich das Ganze, als ich die
Blinkerhalter neu gefertigt habe.
Da die Literschüssel mein Reisemopped sein soll, wird auch noch eine KFZ Steckdose unter einem der Seitendeckel verbaut,
sodass man ohne Probleme mal das Handy, oder andere unverzichtbare Zivilisationskrankheiten mit Strom versorgen kann.
Und weil ja im Juni ne lange Schwedentour ansteht, auf der ja für 2 Wochen Zeugs mitgenommen werden muss, werde ich mir
noch einen Gepäckträger basteln, den ich in die Originalaufnahme vom Soziussitz einhaken kann. Darauf sollte dann die große
Gepäckrolle ausreichend Platz finden. Vielleicht kommen sogar noch Satteltaschen dazu. Diese werden dann aber Tatsache nur
für große Touren montiert, nicht wie von vielen anderen ständig spazieren gefahren.
Inzwischen ist die Karre auch ohne Probleme zugelassen worden & nun muss ich eigentlich nur noch auf besseres Wetter
warten.
Yuhu! Gestern habe ich meien Kardan & den Frontfender vom Lackierer bekommen. Wieder mal perfekte arbeit!
Und so konnte ich nachmittags mit meinem Kumpel zusammen das Hinterrad, den Auspuff und den Frontfender montieren.
Heute habe ich dann mit der Schüssel die ersten 150km absolviert & bin total zufrieden mit der Maschine. Sie drückt auch in
höheren Gängen ganz gut nach vorne & lässt sich sehr bequem auch im schnelleren Galopp bewegen. Die riesige Bodenfreiheit ist
das Extrem zu meiner Shadow, das heißt für mich erstmal: Grenze ausloten!