Tja, wo fange ich diesmal an?
Vielleicht mal mit meiner Idee von einem schwarzen Flacheisen, dass so tief durch die Gegend donnert, dass Ameisen sofort Eier legen. Ein mitschwingendes Heck sollte es
auf jeden Fall werden. Dazu gleich mal ein wenig mehr Farbe hineinbringen. So, das wars doch schon. ...Dachte ich zumindest.
Nachdem ich mir bei Bikers Mechanic in Celle schon einen schicken Heckfender ausgesucht hatte startete ich im November 2008 den letzten, wers glaubt wird seelig,
Umbau. Der Heckrahmen war schnell abgeflext und noch schien alles wie geplant zu laufen. Schließlich wollte ich die Saison 2009 früh angehen.
Nachdem ich die ersten chirurgischen Eingriffe an meiner Symphony vorgenommen hatte, konnte ich schon nach kurzer Zeit den Heckfender aufs nackte Hinterrad legen
und die ersten Eindrücke der neuen Linie auf mich wirken lassen.
Geplant war das Rahmeneck im Heck weiterhin geschlossen zu halten und dort Federbein und Elektrik wie gewohnt zu verstecken. Gedacht, getan. Schnell bestellte ich mir
GFK Seitendeckel von SL-Custombike, von denen ich den rechten noch nach unten verlängerte. Die Schmierereien mit dem GFK waren relativ erfolgreich und so war ich
immer noch der Meinung den ganzen Umbau schnell erledigen zu können.
Um nochmal auf den Heckfender zurückzukommen, gekauft war er, auf dem reifen lag er auch schon.... und nun? ich hatte mir erstmal keine konkreten Gedanken gemacht,
wie das olle Blech an der Schwinge befestigt und stabilisiert werden sollte.
Naja, irgendwie schweißen halt und hinten rechts und links ne Strebe angeschweißt und gut ist. Dachte ich zumindest mal wieder so bei mir. Als mein Kumpel Torsten und
ich dann mal zufällig bei einem Tässchen Bier zusammensaßen, erzählte ich ihm von meinen Ideen und ihm und mir wurde ganz schnell klar, dass ich mir keine ausreichenden
Gedanken gemacht hatte. Torsten sprach von Fenderstruts, die ich allerdings nicht in Erwägung zog. Auch zu meinem Plan mit den neuen Seitendeckeln, an denen ich schon
Wochen lang immer wieder mal rumspielte und mir während dessen überlegte wie ich sie möglichst “unsichtbar” befestigen könnte, sagte er nur, dass es doch viel geiler sei,
wenn man das Rahmeneck frei lassen würde und alles, bis natürlich auf das Federbein, rausschmeißen würde. Nach einer halben Tasse Bier fand ich die Idee auch total
super und so schien zumindest schonmal eine Detailfrage geklärt.
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich aber immer noch keine Idee, wie ich die Elektrik im Heck verstecken sollte, geschweige denn, wie ich den Rahmen hinten wieder zubekomme,
noch wie Blinker, oder ein Rücklicht im Heck verbaut werden sollten.
Durch den großen Spielraum krativer Spontanität, den ich mir durch meine ..., naja, nennen wir es mal, einfache planung geschaffen hatte, blieben viele Fragen über Wochen
unbeantwortet. Immer wieder stöberte ich im Internet durch Bildergalerien und suchte nach der Erleuchtung. Viele Ideen wurden kurzfristig aufgegriffen und genauso
schnell wieder verworfen. Es war wie verhext, ich hatte plötzlich keine Ideen mehr. Also gingen jetzt Monate ins Land in denen ich den Anfang des Umbaus fast schon
bereute. Die Saison 2009 lief schon und mir wurde klar, dass ich. falls überhaubt, erst sehr spät auf die Straße kommen würde. Als ich dann schließlich eines Tages beim
BM-Shop von Volker war, stand draußen eine Harley mit fettem 300’er Heckumbau und fetten Fenderstruts, die in den Heckfender eingelassen waren. Das war die
Initialzündung für meinen Umbau und von nun an wusste ich, wie ich das Heck gestalten wollte. Nachdem ich die neue Linie für mich festgelegt hatte, wurde das Design für
die Querstrebe im Heck, sowie die Positionierung der Blinker und des Rücklichts klar. Also fräste ich mir eine passende Querstrebe, die die hinteren Blinker aufnehmen
konnte.
Mit einer Hand voller Einzelteile, der Schwinge und einem zerflexten Rahmen stand ich schnell wieder beim Team vom BM Shop auf der Matte. Nach einigen Gesprächen
hatte ich das sichere Gefühl, dass die Jungs genau das umsetzen würden, was ich mir vorstellte, allerdings nur vage beschreiben konnte.
Nach einiger Zeit war alles fertig verschweißt und ich bekam einen ersten Eindruck vom neuen Erscheinungsbild meiner “Kleinen”. Das sah alles schon sehr gut aus. Leider
waren immer noch einige wichtige Detailfragen ungeklärt. Z. B. wo sollte die ganze Elektrik hin? Das Rahmendreieck im Heck sollte ja frei bleiben. Zum einen fiel mir der
Platz unter dem Sitz ein. Hier hatten CDI, Elektronikbox, Relais und einige andere Kleinigkeiten Platz, wenn auch nur knapp. Zuerst wollte ich den Krempel in einer selbst
angefertigten GFK-Schale unterbringen, doch als ich das Ding fertig hatte gefiels mir mal garnienich! Also habs ich’s kurzerhand rausgeworfen und bin mit einem schnell
zugehackten Blech wieder mal zum BM Shop von Volker gedüst, um es richtig einschweißen zu lassen.
Wieder zurück in meiner Werkstatt konnte ich mich dann dem Batteriekasten widmen, der in der Schwinge Platz fand. Um ihn allerdings möglichst tief und somit
unsichtbar in die Schwinge zu bekommen, waren auch Änderungen am Ausgleichsbehälter des Kühlsystems nötig. So schnitt ich kurzerhand eine Ecke des Wasserbehälters
ab und modellierte alles mit GFK so, wie ich es brauchte. Der Einfüllschlauch entfiel dabei und ich setzte eine Pneumatikverschraubung ein, die ich zum Nachfüllen des
Behälters nutzen konnte. Der Überlaufschlauch blieb unversehrt. Der Behälter wurde dann von meinem Lackierer vom feinsten gespachtelt und lackiert.
Aber zurück zum Batteriekasten. Das ganze Teil, wie auch dessen Deckel habe ich aus Edelstahl biegen lassen. An dem Tag, wo ich ihn endlich bekam, konnte ich zum ersten
mal testen, ob er überhaupt in die Schwinge passte. Puh, Glück gehabt. Dadurch. dass der Deckel zum Motor hin länger als der Kasten ist, ist es möglich die Kabel, ohne
irgendwelche Freimachungen fräsen zu müssen, herauszuführen.
Jetzt war es an der Zeit den Sitz in Angriff zu nehmen. Viele Greifen auf Blech zurück, ich allerdings benutzte 8mm starkes Makrolon, welches ich nach einer
Pappschablone zuschnitt und mittels eines Heißluftföns vorsichtig an die Rahmenkontur anpasste. Nach einigen Stunden war das Thema geritzt und ich stellte fest, dass die
Arschstütze zu knapp bemessen war. Also nochmal alles von vorn, macht aber nix, denn Übung macht ja bekanntlich den Meister. Aus Delrin fräste ich mir auf der Arbeit
einen Block, der unter dem Tank, ähnlich wie der Originalsitz, unterhaken sollte. Als hintere Sicherung des Sitzes drehte ich zwei Edelstahlpins, die in Gummiösen im
Rahmenheck eingreifen. Das Thema Sitz war also schon mal , bis aufs Polstern, durch.
Motogadget, Tank, Zündschloss,
Nun ging es am Frontend weiter. Durch das Fertigen eigener Miniarmaturen waren die Kabelbohrungen im alten Lenker natürlich nicht mehr am richtigen Platz, was
bedeutete, dass ein neuer Lenker her musste. So fuhr ich wieder mal zum BM Shop von Volker. Wenn schon ein neuer Lenker, dann doch gleich aus Edelstahl! Gleichzeitug
kam mir die Idee einen innenliegenden Gaszug zu verbauen, und auch die Bremsleitung sollte diesesmal im Lenker geführt sein. Bei der Elektrik war es natürlich ebenfalls
so. Nach einem kurzen Gespräch war alles geritzt. Der Lenker wurde nach dem Muster meines alten Fehlings neu gebogen. Eigentlich hatte ich vor das Teil schwarz zu
lackieren, doch als ich ihn zum ersten mal in den eigenen Händen hielt, war klar, dass nichts geiler als polierter Edelstahl war, und so konnte der Lenker unversehrt
bestehen bleiben. Naja, bis auf die Durchführungen der Armaturen.
Irgendwann war sogar mal die Zeit gekommen, zu der alles bereit zum Lackieren war. Nachdem das Auto vollgestopft war, ballerte ich mit meinem Krempel zum Lackierer
(Chrischi) meines Vertrauens. Dieser schlug erstmal die Hände über seinem kahlen Köpfchen zusammen, als er sah, was ich alles dabei hatte. Damit hatte er wohl nicht
gerechnet. Ok, zugegeben ist die Beschreibung; Rahmen & Schwinge lackieren, sowie Tank & ein Paar Kleinteile evtl. etwas untertrieben. ....etwas aber nur ;-)
Schnell begann ich ihn mit nem Festpreis zu nerven, da war aber auf Kies gefurzt & der Herr der Farben lies sich nicht auf eine feste Summe ein.
“Das sehen wir dann” sagte er stirnrunzelnd, während er sich in seiner, sowieso schon bis unters Dach mit Aufträgen vollen Werkstatt, umsah. Auf jeden Fall wusste ich
meine Teile in allerbesten Händen & lies Chrischi mit dem ganze Gelumpe zurück. Viele Wochen später war es soweit & ich konnte meine Teile alle in perfekt, schwarzem
Lackkleid abholen. 2 Schichten Lack, 3 Schichten Klarlack, das alles übelst glatt geschliffen & poliert sieht einfach genial aus. Ok, nicht umsonst die “Beste Adresse” weit &
breit. Keine Ahnung, wieso seine Lackiererei eigentlich “relativ” unbekannt ist?
Hier nochmal ein wenig Schleichwerbung:
Lackiererei Christian Brandt
Genau zu diesem Zeitpunkt erhielt ich auch meinen Sitz vom Sattler zurück. Natürlich nicht so, wie zuvor besprochen. Also musste ich nochmal 2 TAge warten, bis ich ihn in
Händen hielt. auch hier wieder eine sehr gute Verarbeitung. (Ober- & Unterseite)
So, nun aber weiter mit der Montage. Diese verlief eigentlich recht reibungslos, obwohl ja viele Ecken der Karre einer Reformation unterlegen hatten.
Einiges konnte ich im Rohzustand auch nicht mehr kontrollieren, trotzdem hatte ich mal Glück & es passte tatsächlich alles auf Anhieb. Naja, bei den ganzen Tiefschlägen,
die ich schon während der Umbauten kassiert hatte, war das ja auch mal nötig. Allein die Elektrik machte meinem Kumpel Torsten ein wenig Kopfzerbrechen. Obwohl er
doch nur die Aufgabe hatte den von mir entfernten Originalkabelbaum durch einen individuell, auf die ganzen neuen Elektroniokkomponenten angepassten neuen Kabelbaum
zu ersetzen. Tstststs... Ne, mal ohne Scheiß, der Arme hätte, so glaube ich zumindest, gerne mal das eine, oder andere Teil an die Wand gepfeffert. Ist halt was anderes
ein ganzes Moped neu zu verkabeln, als nur ein wenig im Originalkabelgelumpe rumzufingern.
Nach garnich all zu langer Zeit funktionierte alles wie am Schnürchen und die erste Fahrt sollte erfolgen.
Wieder einmal zitterten die öligen Hände & der große Moment des “aufdenStartknopfdrückens” war gekommen.
Tja, was soll ich sagen... mal verliert man, mal gewinnen die Anderen. So eine Scheiße, der Mistbock (sonst auch Schatzi genannt) wollte nicht. Der Anlasser drehte, die
Zündung zündete, Kerzen funkten & die Spritpumpe pumpte Sprit wie frisch aus der Fabrik. Trotz alledem, Fehlzündungen & der Motor machte nicht die geringsten
Anstalten zu laufen. Nach verzweifelter Suche endlich den Fehler gefunden; die Zündspulen (vorne / hinten) waren vertauscht. Es ist ja nicht so, als hätten wir da nicht
vorher drauf geachtet, oder es später nicht nochmal kontrolliert....”gggggrrrrrr” Aber gut, der Fehler wurde gefunden, behoben & der erste Start konnte nun endlich nach
über einem Jahr erfolgen. Schon beim ersten Knopfdruck brüllte mir mein Schatzi (vorhin noch als Mistbock tituliert) mit typischem V2 Sound ein herzliche “moin!”
entgegen. Stolz wie ein frisch gebackener Papa lies ich sie noch eine Weile laufen & freute mich nun tierisch auf die erste Probefahrt.
Der Moment der ersten Fahrt war nun gekommen. Nach dem Startgebrüll meiner Kleinen fuhr ich ein paar Meter die Straße rauf & runter. Das Sitzgefühl sooo tief unten
war ziemlich geil & die Eingewöhnung an die ganzen neuen Taster erfolgte quasi sofort. Erster Wehrmutstropfen war, dass der Tacho von Motogadget nicht funktionieren
wollte. (Drecksteil ;-) ) Nach mehrfachem Studieren der Betriebsanleitung, den möglichen Fehlerursachen & der Geburtsurkunde des Erfinders kam ich zu folgendem
Schluss: scheß, kaputtes, überteuertes Drecksteil!
Nach einigen Tagen fahrt ohne Tacho nahm ich den Kampf wieder auf & siehe da, die Geberader war an der Verbindungsstelle vom Geber zum Tacho hinter der Lötstelle &
unter dem Schrumpfschlauch gebrochen. Da muss man aber auch erstmal drauf kommen! Plötzlich war ich auf die Errungenschaft Motogadget Mini TAcho wieder total stolz
& bin inzwischen auch von dessen Qualität überzeugt.
Nach kleineren “Unschönheiten”, die den Betrieb von Schatzi aber nicht wesentlich störten, folgte also ein sehr später Start in die Saison. Es war inzwischen Juni!
Tja, was soll ich sagen, viele km bin ich nicht gefahren, das lag vor allem an der Arbeit, die auch Wochenendmaloche beinhaltete. Als ich dann endlich Urlaub hatte, durfte
ich mich 3 lange Wochen mit Dauerregen vergnügen. Nichts desto Trotz schaue ich der Saison 2011 mit einem fetten Grinsen entgegen. Es kann (zeitlich) einfach nur
besser werden.
Tja, eigentlich nur noch den Ansaugtrakt nochmal zu überarbeiten. Das von mir hergestellte Drehteil sieht im montierten Zustand einfach scheiße aus, außerdem sitzt der
Hyper-Charger einfach zu weit vorne. Ansonsten bin ich sehr zufrieden mir meinem Schatzi.
Irgendwann hat sie sicherlich auch noch die Überarbeitung der letzten originalbelassenen Baugruppe verdient; dem Vergaser. Dieser soll dann komplett gereinigt, schwarz
lackiert & mit einigen verchromten, bzw, polierten Edelstahlteilen ausgestattet werden.