Aber eigentlich waren wir ja noch beim Thema Lackierung. Bei Torsten
war erst alles klar, denn er sagte Anfangs ganz sicher "Ich behalte mein blau!" Ok, ein paar Bierchen und Tage später war es dann vom Tisch das Thema. "Die
Karre wird gelb und kriegt grüne Flammen drauf!"...."Oder sie Wird erstmal nur
gelb und kriegt dann nächsten Winter Flammen drauf!"....usw., usw..
Eines
Abends sollte dann nach wochenlanger Rumnerverei die Münze entscheiden. Nach
einem kompliziertem Auswahlverfahren und reichlich Pilsbier lautete das
Ergebnis: grün! Aha, und welches? Wieder gings los und ich mochte es nicht
hören. Aber am nächsten Tag wollten wir erstmal zur Motorradmesse in Hannover
fahren und uns dort mal ein wenig umsehen. Tja und da stand sie dann... Das
Mopped nach dem Torsten sooo lange gesucht hatte und das in seiner Traumfarbe
lackiert war....ORANGE. Na ja, ist zumindest fast wie grün... für nen Blinden,
oder so.... Aber ein gutes hatte es ja, die Farbe für Torstens VT war gefunden.
Nach der Fotosession auf der Messe fanden wir das Mopped sogar noch im Internet.
Es wurde auch gleich unserem Lacker gezeigt, der die nächsten Wochen gut zu tun
hatte, da es sich nicht nur um ein normales orange handelte, sondern um einen
gold- kupfer- Ton, der mit irgendetwas gemischt von knall gelb bis tief rot
leuchtete. Und das alles mit diesem gold- metallic- Stich. Ist doch ganz einfach
nachzumischen oder??? Der Affentanz ging also weiter, na ja, nur so ca. 5
Wochen. Letztendlich wurde dann aber die Farbe gemischt und alles fein
säuberlich lackiert.
Und während die ersten Teile lackiert wurden, mussten ja
noch die Rahmen vorbereitet werden fürs schweißen und pulvern. Da mit der neuen
Gabelbrücke die Lenkanschläge nicht so richtig gepasst haben, schlug ich vor
diese mal fix, mal eben, schnell neu zu machen. Wieder einmal schaute Torsten
mich ein wenig fragend an..."Wieso?" "Weil's nicht richtig passt und ich mir
nicht noch mal ne Beule in den Tank kloppen will!" erwiderte ich. Also, Flex
raus, die alten Lenkanschläge beseitigt und die neuen rangeschweißt. Geht doch!
Zwischendurch konnte ich noch so Kleinigkeiten wie, Speichen polieren, den neuen
Frontfender zuschneiden, die Tauchrohre zerlegen usw. erledigen. Sind zwar so
gesehen Peanuts, haben aber trotzdem ganz schön viel Zeit in Anspruch genommen.
Somit hatten wir dann den Punkt erreicht, wo alles, was außer Haus erledigt
werden musste, vorbereitet war. Die "Lackteile" waren fertig zum lacken, die
"Pulverteile" fertig zum pulvern und die "Chromteile" fertig zum verchromen.
Wurde ja auch Zeit, denn es ist schon Ende März und die ersten Biker sind schon
seit zwei, drei Wochen unterwegs.
Also müssen wir jetzt ein bisschen ranhauen. Der Motor sollte ja in Eigenregie
lackiert werden und dazu musste er erst einmal zerlegt werden. Also wurden die
Zylinderköpfe, das Antriebsritzel, die Wasserpumpe, der Anlasser usw.
demontiert. bis nur noch das Kurbelgehäuse nackt vor uns stand. Anschließend
wurde alles mit Waschbenzin gereinigt und es konnte losgehen.
Die Motorteile wurden in einem hellen, freundlichen schwarz lackiert.
Matt schwarz, um genau zu sein. Anschließend habe ich noch die Ventile neu eingeschliffen und die Schaftdichtungen getauscht.
Ach ja, der Rahmen und die Schwinge, die ja "eigentlich" schon beim pulvern
waren, sind dann doch noch massiven "Bereinigungsarbeiten" zum Opfer gefallen.
Was so viel heißt wie: Buchsen drehen, die Buchsen einschweißen, alles
überschleifen, die restlichen Schweißnähte auch gleich cleanen usw. ..usw! Und
weil´s schööön macht, haben wir die Klemmflächen der Hinterradachse mit
polierten VA- Plättchen versehen, damit keine Kratzer auf Lack, bzw.
Pulverschicht entstehen können.
Es ist jetzt Mitte April und die
Sehnsucht nach dem Lärm meines V-Twins frisst an meiner kleinen, zarten Seele.
Die Motoren sind lackiert, die Pulverteile wirklich beim pulvern und alles, was
lackiert werden soll, ist beim Lacker. Es ist also Zeit für so mistige Arbeiten
wie Kühlrippen polieren angesagt. Einen groben Versuch hatte ich vorsichtshalber
schon vor dem lackieren unternommen, bei dem ich feststellen musste, dass dieser
Job wirklich nur etwas für Vollbescheuerte ist. Also ran an die Arbeit! Torsten
wollte seine Kühlrippen erst nicht polieren, da an zwei Stellen schon kleine
Teile der Rippen herausgebrochen waren. Nach ein wenig Überzeugungsarbeit
entschied er sich doch, die Kühlrippen polieren zu lassen.... von mir....
SCHEIßE! Mit viel Gefühl, einem Schwingschleifer und ca. 1 mio. Bögen
Schmirgelleinen von Körnung 240 & Körnung 400, ging es dann los. Es nervt, gibt
ne riesen Sauerei und nach einigen Stunden hat man kein Gefühl mehr in den
Armen, doch betrachtet man das Resultat, ist alle Mühe vergessen.
In der Maimitte angekommen,
musste ich feststellen, dass meine Teile zwar eher vom Lackieren zurückgekommen
sind, als Torsten's, doch ich ohne Rahmen (der immer noch irgendwo beim
beschichten ist), so gut wie nichts montieren kann. Ok, den Motor konnten wir
zusammensetzen, die Federbeine vorn auch, doch das war's dann auch schon.
Torsten hingegen konnte ganz entspannt anfangen den Motor in den Rahmen zu
integrieren & dann Stück für Stück Elektrik, Ansaugtrakt, Vergaser, Gabelbrücke
usw. zu montieren. Was ich dann konnte, habe ich assistiert, doch ist es ein
totales Scheißgefühl, wenn man selbst nicht ein Stück voran kommt.
Der Bock von Torsten war
dann zu Ende Mai so gut wie fertig, es fehlten nur noch Verkleidungsteile & der
Tank. Die Elektrik bei Torsten war komplett fertig umgebaut & die neuen
Gabelcover angebaut. Für die anstehende Hauptuntersuchung wurden das originale
Federbein, die originalen Spiegel & der originale Scheinwerfer montiert. Mein
Rahmen war immer noch irgendwo unterwegs & bis auf meine Lackteile hatte ich
noch nichts.
Es ist der 31. Mai, Torstens
Maschine geht morgen zum TÜV & ich bekomme endlich meinen Rahmen.
Torstens Maschine haben wir
buchstäblich im letzten Moment TÜV- fertig gehabt. Am Abend bauten wir meinen
alten Tank auf & versorgten die Maschine noch mit reichlich Öl & Kühlwasser.
Dann war es soweit, der Testlauf im Freien sollte beginnen. Nach ein wenig
Rödeln sprang der Bock sofort an & ließ den kleinen Vorhof zu unserer
Bastelhalle erzittern. Anschließend wurde das Eisen wieder in die Halle zurück
geschoben & als letztes wurden noch die Zierdornen entfernt.
Endlich, Rahmen & Schwinge
sind gekommen!!! Direkt nach dem Auspacken des Rahmens haben Torsten & ich
gleich den Motor eingebaut, da das eine der wenigen Arbeiten ist, die man
wirklich nur zu zweit durchführen kann. Der Rest ging dann ganz schnell. Den
Vergaser draufsetzen, den Ansaugtrakt einbauen & den Kabelbaum einziehen.
Anschließend das Kühlsystem einbinden & fertig. Anschließend habe ich dann das
Federbein & die Schwinge montiert. Da alle Teile schon einmal von uns
nachgearbeitet worden waren & einige Teile sogar zum zweiten mal neu gefertigt
wurden, gab es bei der Montage keinerlei Probleme.
Ach ja, während der Montage kam ich endlich auf einen schönen Namen für meinen
Umbau. "Avus
Galaxy".
Ok, ich muss gestehen, dass ich da nicht selbst drauf gekommen bin. Der
Schriftzug auf der Lackdose klang einfach schön & damit stand für mich der
Projektname fest. (ich finde es gibt durchaus unkreativeres)
Jetzt lief alles, wie am
Schnürchen & im nu war die Maschine aufgebaut. Nach ein paar
Anlaufschwierigkeiten summte der Bock dann auch wie ein Bienchen.
Doch
dann kam alles anders als erwartet. Ein Crash mit Totalschaden.
Never
Give
Up!