Umbau
2004
Seit Jahren wollten mein Kumpel Torsten und
ich schon den Motorradführerschein machen. Doch aus den verschiedensten
Gründen wurde diese eigentlich kleine Aktion Jahr für Jahr verschoben.
Erschwerend kam hinzu, dass wir beide in der gleichen Firma tätig sind und
es ausgeschlossen war, gleichzeitig Urlaub zu bekommen. Schließlich haben
wir doch den perfekten Termin gefunden, an dem all unser Streben nach dem
Lappen wahr werden sollte. Der ganze Zirkus mit dem begehrten Führerschein
sollte in den Osterferien 2004 losgehen. (Ferienkurs) Bereits im
Dezember 2003 kaufte Torsten seine Shadow. Halt, keine Shadow, sondern eine
Steed (US- Version, da es die Shadow unter ihrem Namen nur in Deutschland
gibt). Am nächsten Wochenende begannen wir dann das gute Stück in seine
Bestandteile zu zerlegen. Ein Problem war, dass wir keinen Platz hatten, um
wirklich ein, geschweige denn, zwei Bikes zu zerlegen. Mit mehr Glück, als
Verstand gelangen dann wir durch Zufall an eine leer stehende Halle mit rund
90m². Da der Vermieter das gute Stück eigentlich gewerblich vermieten
wollte, doch schon seit Jahren keinen Mieter mehr fand, konnten wir für nen
Appel und ein Ei im Dezember 2003 einziehen. Torstens Maschine hatte also
schon seine vorerst letzte Ruhestätte gefunden und wurde in Einzelteilen in
unsere neue Halle gebracht. Einen Monat später, also im Januar 2004 kaufte
ich dann meine Shadow beim Hondahändler (Baujahr 89). Selbstverständlich
fingen wir am gleichen Abend, an dem ich die Maschine gekauft hatte,
an sie zu zerlegen. Es vergingen viele Stunden, da beide
Maschinen nicht einfach nur zerlegt, sondern auch komplett vom Dreck, der
sich in allen kleinen Ritzen über die Jahre gesammelt hatte, befreit wurden.
Noch
ohne großen Plan, was genau alles gemacht werden sollte, fingen wir
an, die ersten Teile für den Neuaufbau zu bestellen. Der große
Schatten, was zulässig ist, und was nicht, lag ständig über uns und
erschwerte die Auswahl der richtigen Komponenten. Gleichzeitig
überlegten wir bei vielen Teilen, ob sie verchromt werden sollten,
oder nur poliert. Da sich schließlich das Polieren als regelrechte
Drecksarbeit erwies, die zudem auch noch sehr zeitraubend war,
entschlossen wir uns, die meisten Teile einfach zum Verchromer zu
geben. (Getreu dem Motto: soll der sich doch damit rumärgern). Da
die Zeit nun doch bald drängte, versuchten wir so viel, wie möglich
auf einmal zu erledigen. Freitag nachmittags, Samstage, Sonntage,
und die Zeit nach Feierabend verbrachten wir in der Firma, um die
Achsen, Buchsen, Distanzhülsen, Halter usw. selbst aus V2A
(Edelstahl) zu fertigen. Sämtliche Einzelteile wurden zudem als 3D-
Modell mit einem CAD Programm (Inventor) gezeichnet und sämtliche
Änderungen direkt am Rechner begutachtet und gestaltet. Wie viele
Stunden dabei draufgegangen sind, wissen wir nicht, und haben auch
kaum die Möglichkeit, dies wirklich nachzuvollziehen. Durch einen
Zufall haben wir dann einen Lackierermeister gefunden, der unseren
Bikes die ausgesuchten Farben verpassen sollte. Wir begannen also
unter Hochdruck, die Heckrahmen umzubauen, die Heckfender
zuzuschneiden und
sämtliche Teile wie Rahmen und Abdeckungen zu sandstrahlen, bzw.
abzuschleifen, damit die Lackierarbeiten beginnen konnten. In
unserer halle bauten wir eine kleine Lackierkabine aus Holzleisten
und transparenter Folie auf. Leider war der Lackierer sehr
unzuverlässig, was Termine betraf, und so dauerte die ganze Affäre
länger als ursprünglich geplant.
Als
die Lackierarbeiten dann doch endlich abgeschlossen waren, trafen
uns Blitz und Donner gleichzeitig. Der Lack war total ungleichmäßig
aufgesprüht und verarbeitet worden. Auf einigen Teilen war überhaupt
kein Klarlack und an Rahmen und Schwinge konnte ich den Rest des
Jahres noch den Lack mit den Fingernägeln herunterkratzen. (Damals
dachten wir nicht an die Möglichkeit den Rahmen richtig beschichten
zu lassen). Stark enttäuscht begannen wir trotzdem damit, die Bikes
wieder zusammen zu bauen. Der Drang endlich (wenigstens ein
bisschen) Spaß damit zu haben war zu groß, als das wir alles noch
mal hätten machen wollen. Außerdem ist der nächste Winter nah, und
es gibt sowieso noch viel zu tun, da können wir die Biester ja halt
wieder komplett zerlegen. Diesen Gedanken im Hinterkopf tragend,
fummelten wir die Büchsen also wieder zusammen. Bei Torsten traten
immer wieder kleine Probleme auf, die seine Arbeiten zeitlich stark
verzerrten. Zu allem Unglück fiel auch noch eine kleine Schraube
kurz vor dem ersten Start in den offenen Motor. Alle Nerven lagen
jetzt blank, im schlimmsten Fall hätten wir den Motor wieder
ausbauen und anschließend zerlegen müssen. Doch mit viel Glück und
einem Staubsauger konnten wir das Schräubchen heraussaugen.
Geschafft, na dann Prost!!!! Noch nicht ahnend, dass uns ein
schwerwiegender Fehler in der Motorentlüftung noch einen Strich
durch unsere Rechnung ziehen würde, begannen die ersten Versuche,
die Karren wieder zum Leben zu erwecken. Nach vielen
schweißtreibenden Stunden, war es dann meine Maschine, die als erste
wieder ihre Abgase in die Nachbarschaft spuckte.
Diese
Kampfansage lies sich Torsten natürlich
nicht bieten, und brachte seine Karre, wenn auch schon kurz vor
Mitternacht, am gleichen Abend trotz aller Widrigkeiten zum laufen.
Auch bei ihm noch unentdeckt, der Fehler in der Motorentlüftung… Als
dann endlich in den nächsten Tagen die letzten entdeckten Fehler
beseitigt wurden, kamen wir der ersten Probefahrt immer näher.
Endlich war es soweit, zwar angemeldet und versichert, jedoch ohne,
dass auch nur ein Teil eingetragen war, machten wir uns an einem
sonnigen Nachmittag auf, wenigstens mal eine kleine Runde zu drehen.
Bis auf einen kleinen Kurzschluss in meiner Elektrik lief soweit
alles glatt. In der Motorradwerkstatt unseres Vertrauens wollten wir
nun die gesamten Anbauteile eintragen lassen, doch auf dem ca. 15km
langen Weg geschah es dann… Mein Motor fing an zu stottern, und
wirkte, wie kurz vorm Abwürgen, trotz voller Fahrt. Endlich
angekommen und mit den Worten, kann nichts großes sein, das bringe
ich zuhause wieder in Ordnung, der Schock: bei beiden Maschinen
läuft Öl aus der Kopfdichtung. Egal, erst einmal abwischen, denn die
Teile müssen eingetragen werden. Zum Wunden lecken ist später noch
Zeit. Als wir die Maschinen abholten sagte Volker, unser Schrauber,
dass der Prüfer zwar gebrüllt hat, doch alles (sogar Teile mit CE-
Kennzeichnung und ABE) eingetragen hat. Erleichtert, dass diese
Hürde genommen war, machten wir uns auf den Heimweg. Nur Tempo 50
fahrend, da meine Karre nicht mehr wollte, und die Motorprobleme der
ersten Fahrt wieder auftauchten, kamen wir dann irgend wann doch
noch an der Halle an. Am selben Abend begann ich dann die
Kopfdichtung auszubauen, zu reinigen und behutsam wieder einzubauen.
Aber das Motorstottern war damit noch nicht kuriert. 2-3mal habe ich
sämtliche Spritleitungen auf Abknicken, die Spritpumpe und den
Vergaser auf Verstopfungen untersucht ….nüx!
Die
Zündkabel zog ich mehrmals ab, die Zündkerzen waren brandneu, und
der Fehler blieb weiter unentdeckt. Irgendwann hatte ich dann durch
Zufall den Zündkerzenstecker in der einen und das Ende des
Zündkabels in der anderen Hand.
Arschloch!!! Das Zündkabel war zwar aus dem Stecker
herausgerissen, doch noch in der umliegenden Gummimanschette, so
dass das Ding augenscheinlich OK war. Fehler gefunden!
…oder? Also, Tor auf, Karre raus, los geht’s. Kurz vor
Mitternacht erbebte unsere kleine friedlich Straße, und ich konnte
das Ergebnis meiner langen Schrauberei nicht erwarten. Und der
Motor… er stotterte.
Verdammte Karre!!! Zurück in die Halle, Zündschlüssel raus, Bier
auf, Licht aus. Licht wieder an, da man im dunkeln nicht gut trinken
kann. Bier austrinken, Licht aus, Halle zu. Für den Abend hatte ich
die Schnauze gestrichen voll. Morgen sieht die Welt schon ganz
anders aus!
Am nächsten morgen und leicht gereizt, betrat ich die Halle. Mitten
in der Nacht hatte ich den Einfall, dass durch das defekte Zündkabel
und die dadurch verursachten Kurzschlüsse, die Zündkerzen des
vorderen Zylinders evtl. defekt sein.
Nachdem
ich dann die Zündkerzen getauscht hatte, traute ich mich kaum die
Karre noch mal anzuwerfen. Doch es musste sein, vor allem, da mein
Auto in der Werkstatt war und ich die Änderungen in den
Fahrzeugscheinen beim Amt eintragen lassen wollte. Knatter, knatter…..juhu,
sie läuft, und das sogar auf beiden Pötten. Also, Lederhose und
Jacke übergezogen, TÜV Gutachten, Fahrzeug- Scheine und Briefe in
den Rucksack und los. Auf dem Amt lief dann alles glatt, sodass ich
den Rest des Tages schön mit heizen verbracht habe (hatte ja zum
Glück Urlaub).
Am
nächsten Tag wollten Torsten und ich dann die erste kleine Tour über
die umliegenden Dörfer starten. Kein Problem, denn seit dem ich die
Kopfdichtungen noch einmal neu gemacht hatte, ölte die Karre nicht
mehr. Kurz vor einer Ortschaft, beim Überholen bei Tempo 130 ist es
dann wohl passiert. Bei Torsten ist die Kopfdichtung geplatzt und
das ganze Öl spritzte auf alles, was hinter und unter ihm war. (Zum
Glück war ich langsamer und hatte ein paar Autos Abstand zu ihm). In
der nächsten Ortschaft dann der Nothalt direkt hinter dem
Orteingangschild. Das gesamte Heck der Karre triefte vor Öl, und die
Tatsache; dass er sich nicht hingepackt hatte, überraschte uns
beide. Da der Ölfleck auf dem Seitenstreifen immer größer wurde,
schoben wir den Bock vorsichtshalber auf eine Rasenfläche. Mein Auto
war noch in der Werkstatt, sodass ich keinen Anhänger ranschaffen
konnte.
Und
manchmal ahnt man gar nicht, wie schwer es sein kann, jemanden mit
einem Anhänger am Samstagnachmittag aufzutreiben. Schließlich hatten
wir wieder mal Glück und jemanden gefunden, der den Bock abholen
konnte. Erleichtert, dass es nicht mir passiert war, fuhr ich auf
zwei Rädern wieder nach hause. Torsten besorgte sich dann neue
Dichtungen, verbaute diese mit reichlich Curil T, und alles schien
gut.
Einen
Abend später, ich war allein unterwegs, platzte mir dann die
Dichtung, und dies genau an der gleichen Stelle wie Torsten. Mit dem
letzten Tropfen Öl habe ich es dann noch zu meinem Onkel geschafft,
der mich und das Bike dann nach hause gebracht hat. (danke Schulle!).
Bier auf, Dichtung raus, alles reinigen, viel Curil und dann alles
fein säuberlich zusammen setzen. Fertig, der Abend ist rum, ich bin
sauer, aber morgen sieht alles viel, viel besser aus. Tatsache, der
Bock rannte anschließend eine Woche lang (nur Kurzstrecken gefahren)
ohne Murren und Knurren. Der nächste Samstag sollte nun der Tag der
ersten “richtigen“ Tour werden. Die Voraussetzungen waren denklich
schlecht… nein, sie waren echt beschissen, denn trotz Sommeranfang
war es an diesem Tag sehr windig, kalt und es regnete in Strömen.
Egal, diesen Tag lassen wir uns nicht verderben!!! Nee, wir nicht.
Also rauf auf den Bock und los geht’s. Die Wolken wurden dunkler und
dunkler, der stürmische Regen nahm zu und plötzlich waren da nur
noch schwarze Wolken zu sehen. Macht nichts, denn wir sind echte
Biker, und nichts und niemand versaut uns diese Tour… Ok,
Ok, soweit die Theorie, doch der aufmerksame Leser ahnt es schon.
Richtig!
Torsten hat es zuerst bemerkt, die Dichtungen sind wieder mal
geplatzt. Verdammt!
Also,
Parkplatz, Krisensitzung im strömenden Regen und dann? Erstmal haben
wir die lustigen bunten Pfützen beobachtet, und uns dann
gefragt wie viel Öl wir noch drin haben, ob wir es damit noch nach
hause schaffen, oder nicht, und uns anschließend entschieden, die
Fahrt zu unserem Schrauber Volker anzutreten. Ach ja, ganz doof
sind wir ja auch nicht
J,
jetzt kamen wir drauf, dass das nur noch an der Motorentlüftung
liegen kann. Also, alle 2-3km anhalten, Motor über die
Öleinfüllöffnung entlüften und weiter geht’s. Auf diesem Weg haben
wir einen Biker aus Hamburg getroffen der tatsächlich fragte, wer
unsere Bikes denn designed hat. Vielen Dank noch einmal
von uns für dieses Kompliment! Bei unserem Schrauber, Volker
angekommen, und unser Problem fachmännisch schildernd… äähh, mach ma,
dass das da wieder geht! So war dann auch dieser Drops gelutscht.
Deprimiert wurden wir von einem anderen Kunden Volkers mit nach
Hause genommen. Auch hier noch einmal vielen Dank. Was danach
geschah, kann man wohl am besten mit dem Wort Alkoholmissbrauch
schildern. PROST! Inzwischen laufen beide Karren sauber, laut und
zuverlässig. (Danke Volker!) Der nächste Umbau ist für den Winter
2004/2005 geplant.
Letztendlich
kann man sagen, dass man für ein solches Unternehmen Männer mit Nerven,
die so dick wie Stahlseile sind, haben muss, die geduldig und immer
freundlich Torsten & mir mit Rat und Tat zur Seite gestanden haben, ohne
auch nur einmal die Geduld mit uns zu verlieren, weil sie uns fünf mal
erklären mussten, wie wir was zu tun hatten!
Und
deshalb möchte ich an dieser Stelle auch noch einmal allen Danken,
die viel Geduld mit uns bewiesen und uns wertvolle Tipps und Ideen
gegeben haben! Dank an: meinen Bruder Andi, Volker Lorenz von Lorenz
Motorräder, Gerd von SL-Custombike, Schachte, Marcus “Horsti“,
Andre, Schulle (danke fürs nach hause fahren nach meinem
Dichtungsplatzer), Fa. Hoffmann Oberflächentechnik für glänzende
Ergebnisse, Fa. Westphal für die reichliche
Maschinennutzungserlaubnis nach Feierabend!
Ride
Free!